Raus aus dem Schatten

Raus aus dem Schatten

Bettemburgs Fußballfrauen sind trotz einiger Personalwechsel weiterhin auf Titelkurs

VON ANDREA WIMMER

Mit einem 4:1 im Spitzenspiel gegen Niederkorn sind Bettemburgs Fußballfrauen in die Rückrunde gestartet. Das war so nicht zu erwarten. Der Tabellenführer dürfte trotz Personalproblemen nur schwer zu stoppen sein. 

Die Mannschaft hat sich verändert, der Siegeswille nicht. „Gerade wenn wichtige Spielerinnen fehlen, muss die Motivation der anderen noch größer sein“, sagte Amélie Albrand. Die 21-Jährige war beim Rückrundenauftakt im Frauenfußball die Kapitänin des SC Bettemburg. Sie führte ein Team, das gleich ohne vier absolute Leistungsträgerinnen antrat. Geplant war das nicht. Doch nun setzten sich andere in Szene, die bislang oft im Schatten standen, und das mit Nachdruck: Bettemburg gewann das Topspiel gegen Niederkorn mit 4:1 und distanzierte den zuvor stärksten Verfolger auf sieben Punkte. 

Die etatmäßige Kapitänin Karen Marin sowie Kimberley dos Santos – die zweimalige und die aktuelle Fußballerin des Jahres – waren nicht auf dem Feld. Vorerst bleibt das auch so. Marin fällt wegen einer Knieverletzung aus, dos Santos spielt bis Saisonende aus persönlichen Gründen nicht. Jahrelang waren sie die erfolgreichsten Torgaranten in Bettemburg. Für Justine Oswald ist die Saison wegen eines Kreuzbandrisses beendet. Léa Pizzimenti fehlte gegen Niederkorn gesperrt. In der Hinrunde waren beide wichtige Impulsgeber im Spielaufbau. Ohne das Quartett lief beim Rückrundenauftakt nicht alles rund. Die Mannschaft setzte sich trotzdem durch und war zu Recht stolz darauf. 

Sechs Punkte Vorsprung

„Wir haben bewiesen, dass wir es auch ohne sie schaffen, obwohl sie wichtige Spielerinnen sind und obwohl man merkt, dass sie fehlen. Aber man darf nicht abhängig von einzelnen sein, es geht um die ganze Mannschaft“, meinte Anouchka Besch. Die Nationalspielerin erzielte zwei Tore (50.', 62.'), Lucia Ruiz (54.') traf ebenfalls. Kate Thill hatte Bettemburg vor der Pause (28.') in Führung gebracht. „Wir waren sehr nervös, weil wir ohne vier Spielerinnen antreten mussten. Aber wir hatten uns darauf vorbereitet. Und wir haben das super gemeistert. Wir sind sehr motiviert, weil wir unbedingt Meister werden wollen“, sagte Thill. 

Für Niederkorn wäre der Rückrundenauftakt die Gelegenheit gewesen, den Titelkampf im Frauenfußball spannend zu machen. Jetzt sieht es nach einem Alleingang Bettemburgs aus. Sechs Punkte ist der Meister von 2017 nach zwölf Spieltagen voraus, Racing ist nun Zweiter vor Niederkorn. Zwar war auch der FC Progrès, für den Christelle Cuntz (75.') den Ehrentreffer erzielte, nicht in Bestbesetzung angetreten. Beispielsweise fehlten Stürmerin Juliana Andrade und Stammtorhüterin Irony Costa. Doch Kapitänin Pascale Frising sah eine andere Ursache für die zweite deutliche Niederlage gegen Bettemburg nach dem 0:5 der Hinrunde: „In diesen Spielen wollen wir zu viel und stehen uns dadurch selbst im Weg. Wir können es definitiv besser.“

Der Tabellenführer zeigt sich hingegen in Spitzenbegegnungen offenbar von seiner besten Seite. Das ist Vorteil und Problem zugleich. „Es kann noch sehr viel schiefgehen. Wir können gegen Topmannschaften wie Niederkorn gewinnen, aber wir können auch gegen vermeintlich kleinere Teams Punkte liegen lassen. Unsere größte Schwäche ist, solche Gegner manchmal zu unterschätzen“, erklärte Besch. „Der Kopf spielt eine große Rolle. Unser stärkster Gegner sind wir selbst.“


 

Luxemburger Wort vom Dienstag, 5. März 2019, Seite 36 (5 Views)